Pinselstrich und Zeitengewebe 

 

 Von einem persönlichen Erlebnis und eigener Emotion getragen, erzählt Sonia Ilios Itten in ihren Bildern von innen nach außen, im kreativen Prozess immer weitere Kreise ziehend - bis dorthin, wo es auf einmal alle betrifft.

Oder, manchmal geht es auch genau umgekehrt:

 

Von historischen oder aktuellen Ereignissen oder Geschichten ausgehend, arbeitet sich Sonia Itten Schicht für Schicht nach innen vor, bis dorthin, wo es uns als Einzelne im Innersten und Emotionalsten berührt. 

Es geht hier um das, was Aristoteles mit den Worten meinte : Nichts ist im Verstand, was nicht vorher in den Sinnen war.“


So entstehen Bilder als Ergebnissse von intensiven Denk-Fühl-Arbeitsabläufen, bei denen die Erfassung der Welt mit dem künstlerischen Prozess Hand in Hand geht.

 

Das Gesamtwerk schließlich scheint auf seine Weise dem großen "Weltdurcheinander" eine besondere eigene, ganzheitliche Ordnung zu geben, die uns die Jahrhunderte erspüren läßt.

Zwar ist es nicht leicht, solche Erlebnis-Erfahrungen zu verbalisieren, aber unkommunizierbar müssen sie deshalb nicht bleiben, wie diese Bilder zeigen.

 


Analoge Collage

 

Auch ohne Berührung vermitteln die Bilder von Sonia Itten eine haptische Erfahrung und sie machen Zeit und Erinnerung zum sinnlich erfahrbaren Material.

 

Die vielen Schichten, aus denen sie bestehen, sieht man ihnen an und so sind sie schließlich selbst ein authentischer Beleg des Prozesshaften geworden. Allerdings erklären sie die Geschichte ihres Geschaffenwerdens nie zu ihrem vorrangigen Inhalt.

 

Die Farbschichten scheinen den zeitlichen Prozess zu reproduzieren: Verschüttetes, Überdecktes, verloren Gegangenes, Seltsames, Vergessenes, Rätselhaftes und kostbar Erscheinendes findet man:

Kostbar ist es deswegen, weil es in uns ein kraftvolles kulturelles Echo hervor ruft. 

 

Die Episoden, ferne Menschen und ferne Zeiten, Namen, Länder, Malereien, Gegenstände, Zeichnungen, plastische Gestaltungen, Texte, Zeichen, Schriften, manchmal gar Tagespolitisches, Bilder, Fotos, Farben, Linien:

Alles verbindet sich zu einer vielschichtigen analogen Collage, die uns im Kognitiven wie Emotionalen gleichzeitig fordert.

Das Ungesteuerte, das Freie in uns sprechen diese Bilder an - und man darf seinen Augen und Emotionen trauen, um einen eigenen inneren Pfad zu den immerwährenden Themen des Menschseins zu finden.


Diese Arbeiten weiten unseren kleinen momentanen Augenblick - gleichzeitig in beide Richtungen - für uns aus:

Sowohl in die Tiefen der Vergangenheit als auch in die Weiten der Zukunft und geben uns die Chance, uns selbst zu entdecken, geborgen im Strom der Zeiten. 

Fastfood für die Augen sind diese Bilder nicht, nichts für Eilige: 

 

Sie brauchen Menschen, die ihren Botschaften folgen und sich einladen lassen mögen in das unendliche Gedankenlabyrinth von abwesenden Orten und vergessenen Geschichten. Diese finden wir wieder in unserem eigenen Gedächtnis und der darin aufgehobenen individuellen und kollektiven Vergangenheit. 

 

Aus der Tiefe der Oberflächen verkünden die Bilder in ihrer Schönheit und Stille ihre eindringlichen Signale und bieten uns ihre meditative Weise an, sich mit dem Zustand unserer Welt zu beschäftigen.

Und man könnte meinen, diese Bilder träumten für immer weiter.

 (Dr. B. Wewerinck-Beeke, Kunsthistorikerin, Amsterdam, alle Rechte vorbehalten)